80 Jahre Republik Österreich: Erinnerung an die Todesurteile des Volksgerichtshofs in Graz

Gedenkstätte im Untergeschoss der Justizanstalt Graz-Jakomini

Auf dieser Seite berichten wir üblicherweise über die handwerklichen und künstlerischen Erzeugnisse aus unterschiedlichen österreichischen Justizanstalten und Forensisch-therapeutischen Zentren – über kreative Arbeiten, die Einblicke in den Alltag und das Können der hier tätigen Menschen geben.

Zum 80-jährigen Bestehen der Republik Österreich lenken wir den Blick auf ein kaum beachtetes Kapitel der Vergangenheit: den ehemaligen Hinrichtungsraum im Keller der Justizanstalt Graz-Jakomini. Heute dient dieser Ort als Gedenkstätte und erinnert an die Opfer der nationalsozialistischen Justiz, die hier zwischen 1938 und 1945 ihr Leben verloren.

Es ist eine unscheinbare schwarze Eisentüre im Keller des Landesgerichts Graz, die die Außenwelt von einem Raum trennt, dessen Existenz man gerne leugnen und aus der Geschichte tilgen würde.

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Unwissende Besucher wägen beim Vorübergehen bloß einen Technikraum oder ein weiteres von unzähligen Lagern. Doch wer den gefliesten Raum betritt und das grauenerregende, aus Eisen gefertigte Fallbeil in dessen Mitte erblickt, spürt sofort die beklemmende Aura, die von diesem unscheinbaren Ort ausgeht.

155 Menschen wurden während der nationalsozialistischen Herrschaft im Landesgericht Graz hingerichtet. Von den insgesamt 174 Personen, die durch den sogenannten Volksgerichtshof zum Tode verurteilt wurden, starb die Mehrheit durch das Fallbeil in einem Kellerraum des Gerichtsgebäudes.

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Die übrigen Hinrichtungen erfolgten durch Erhängen im Innenhof. Von den 14 Frauen und 160 Männern, die durch die NS-Justiz zum Tode verurteilt wurden, hatte nur wenige schwere Gewaltverbrechen begangen. Die meisten waren Mitglieder von Widerstandsgruppen in der Steiermark, Kärnten und Slowenien, die sich mit außergewöhnlicher Zivilcourage und großer Entschlossenheit, bewusst gegen dem nationalsozialistischen Unrecht gestellt haben. Ihr Widerstand hatte für sie tödliche Konsequenzen.

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Eine Tafel in der ehemaligen Hinrichtungsstätte und nunmehrigem Gedenkraum listet die Namen der 106 politischen Opfer auf. Um die Gefahr und ihrem möglichen Schicksal wissend, trotzten sie der Unmenschlichkeit und der Gewalt und ließen nicht von ihrer Überzeugung und ihrem Glauben ab – selbst im Angesicht des nahenden Todes.

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Die Fotos der Hinrichtungsräume und des Fallbeils sind beeindruckend und beklemmend zugleich. Sie zeigen, wie dicht die Vergangenheit noch unter der Oberfläche unserer Gegenwart liegt – und wie wichtig es ist, zu erinnern, zu verstehen und zu mahnen.

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